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Pater Pio und die Kämpfe mit dem Teufel

Unter den vielen eigenartigen und scheinbar unverstaendlichen Phänomenen, die nahe Pater Pio gesehen und gehört worden sind, sind auch die nächtlichen Szenen gewaltsamer Kämpfe. Niemand hatte jemals gesehen, was wirklich geschah, als man aus der Zelle des Kapuzinermoenches unmenschliches Geheul und Geschrei , starkes Laermen von Objekten, die gegen die Wände stiessen oder sich auf den Fussboden ergossen, hoerte. Pater Pio selbst hatte darueber gesprochen, wie Antonio Pandiscia ueberliefert:

„Versuchungen und Verfolgungen, physische Schmerzen und geistige Qual wechseln sich mit dem Trost Jesus’ ab. Zuerst nur Stimmen, dann wirklich wahre Erscheinungen.
Bruder Pio (Jahr 1912 Anm. d. Red.) nimmt sie nicht als uebernatuerliche oder aussergewoehnliche Ereignisse auf, aber er akzeptiert sie ohne sich des Warums darueber zu fragen, so stark ist sein Glaube. Er spricht darueber mit seinem geistlichen Vater und seinem Beichtvater und bittet dabei, die Briefe nach der Lektuere zu verbrennen und sie niemandem zu zeigen.
   Er schreibt seinem geistlichen Vater:
   „Blaubart dann, mit vielen seiner Gevattern hoert nicht auf, mich zu schlagen, ausgenommen Mittwoch, ich waere sozusagen am Tode. Aber der Herr mit den anderen noblen und himmlischen Persoenlichkeiten erklaeren mir alles mit ihren haeufigen Besuchen."
   Es beginnen auch seine Gespraeche mit Jesus, vor allem nach der Morgenkommunion:
   „Jeden Morgen kommt er in mich und schuettet seinen ganzen Herzenserguss seiner Guete in mein Herz. Ich moechte, wenn es in meiner Kraft stuende, mit meinem Blut jene Staetten waschen, wo er so viele Seelen skandalisiert hat. Aber es lebe immer die Barmherzigkeit Jesus’. Dieser Jesus bittet mich fast immer um Liebe. ..."   (Auszug aus dem Buch „Pater Pio" von Antonio Pandiscia, Nuova Eri, dritte Ausgabe 1995)

Bruder Pio bittet, dass kein anderer als sein Beichtvater das erfaehrt, was er schreibt – aber wir koennen feststellen, dass die Versuchung, die Briefe zu verbreiten, zu gross war, sogar fuer einen Religioesen.
   Wie auch immer, sehen wir in diesem kurzen Text deutlich die zwei Gruppen der Kaempfe, die die geistigen Entitaeten um Bruder Pio herum fuehren. Auf einer Seite „Blaubart" und „viele seiner Gevattern" – mehr boese Entitaeten also – sie attackieren ihn, um ihn zu verwirren und leiden zu lassen. Auf der anderen Seite spricht Jesus zu ihm – dessen Identitaet Bruder Pio selbst keinen Zweifel zu haben scheint – und bitten ihn um Liebe. Liebe ohne Bedingungen. In Wirklichkeit wuerde jeder verrueckt werden, wenn er unaufhoerlich eine solche Szene erlebte! Hingegen ist es die Kraft der Seele von Bruder Pio, die es ihm erlaubt vorwaerts zu gehen. Das Vertrauen, dass er der Hoelle, die er immerzu erlebt, entfliehen kann, wird von den Erscheinungen der Persoenlichkeiten des Lichtes, der Liebe – die den Erschuetterungen der Kraefte des Boesen entgegentreten – aufrechterhalten.

Was wir im traditionellen Kontext des christlichen Glaubens gesehen haben, sehen wir hier in dem so sehr antiken, fortdauernden Kampf zwischen Gut und Boese, zwischen Teufel und Engel wieder auferleben. Aber was verbirgt sich hinter diesen Ereignissen? Wir bemerken auch die Periode, in der sich die Phaenomene ereignen: beginnend von den jungen Jahren von Bruder Pio, beginnend vom Anfang seiner Karriere als religioeser Mann. Die erste dokumentierte Episode ist die der Attacke eines grossen schwarzen Hundes.

„In einer Sommernacht im Jahr 1904 gelang es Bruder Pio nicht wegen der grossen Hitze einzuschlafen. Im anliegenden Zimmer hoerte er schwere Schritte und er dachte, dass auch sein Mitbruder, Bruder Anastasio, von der Hitze geplagt wuerde.
   Die Fenster der zwei Zellen lagen nebeneinander und er lehnte sich hinaus, um den Mitbruder leise zu rufen. Da er keine Antwort erhielt, zog er sich zurueck. Aber kurz darauf sah er mit Entsetzen einen monstroesen, schwarzen Hund mit einem enormen Kopf und wilden Augen durch die geschlossene Tuer seiner Zelle eintreten. Diese grosse Bestie kauerte sich auf die Hinterbeine zusammen und indem er Bruder Pio anblickte, sagte er: „Er ist’s, er ist’s." Bevor der Bursche Zeit gehabt haette zu schreien, huepfte das seltsame Tier mit einem Sprung auf das Bett und verschwand dann.
   Bruder Pio fiel durch den Schrecken in Ohnmacht. Bruder Clemente, Bruder Anastasio und andere Mitbrueder liefen herbei und der Junge, wieder bei Sinnen, erzaehlte das Vorgefallene und erfuhr so, dass die angrenzende Zelle, wo er eigenartige Schritte gehoert hatte, seit langer Zeit unbewohnt war."
(Auszug aus „Auf du und du mit Pater Pio" von Renzo Allegri, Arnoldo Mondadori 1995, Seite 61.)

Diese finsteren Vergleiche hoeren nie auf, ihn in seinem ganzen Erwachsenenleben zu betrueben, im Gegenteil werden sie in Kraft und Gewalt staerker: er sieht sich Gegenstaende gegen ihn schleudern, es spielen sich regelrechte naechtliche Kaempfe ab. Warum? Wahrscheinlich weil Pater Pio in dieser praezisen geschichtlichen Zeitspanne eine Schluesselfigur im Kampf zwischen Gut und Boese war. Beide Faktionen, die darum kaempften seine geistige Kraft zu erhalten und zu zerstoeren, hatten offensichtlich viel zu verlieren, um es so auszudruecken.
   Irgendeinen weiteren Grund musste es, vom Standpunkt der Beharrlichkeit der Kraefte des Boesen Pater Pio gegenueber gegeben haben. Warum haetten sie so ausdauernd einen einfachen Kapuzinermoench attackieren sollen? Offensichtlich weil er nun doch nicht so einfach war.
   Wenn er gaenzlich die Finsternis und die Angriffe der „Daemonen" besiegen haette koennen, waere Pater Pio wahrscheinlich eine Schluesselfigur geworden – eine Verbindung zwischen dem unsichtbaren Leben und dem Erdenleben, wie man es vielleicht niemals zuvor gesehen hat: wir erahnen solch eine Moeglichkeit in seinen psychischen Faehigkeiten. Nur Jesus waere groesser als er gewesen, und Pater Pio haette mit seinem direkten und klaren Kontakt mit Jesus selbst die Zweifel der Menschheit klaeren und beseitigen, und einer grossen Menge an Fragen betreffend dem Leben und dem Tod und den vielen Mysterien auf der Welt antworten koennen. Die Periode, in der Pater Pio zur Welt kommt und lebt, ist nicht zufaellig: „Dem Licht Entgegen" zufolge laeuft in diesen Jahren der letzte grosse Kampf auf geistiger Ebene ab. Der Sieg derer, die fuer die Liebe und das Gute kaempften, war schon eine Realitaet als es den Vertretern der Finsternis teilweise gelang, die Auswirkungen daraus durch die Ueberwaeltigung einiger „von Gott gesandten" Personen zu ersticken (tatsaechlich gelang es den Vertretern des Guten nicht, den 2. Weltkrieg zu verhindern, wie sie sich wahrscheinlich vorgenommen hatten). Es ist sehr wichtig, die Tatsache zu beachten, dass seit 1912 teuflische Besessenheiten nicht mehr moeglich sind, die, wie es scheint, viele Maenner und Frauen waehrend der vergangenen Jahrhunderte betruebt hatten.

Seit dem Jahr 1912 sind die sogenannten Besessenheiten endgueltig nicht mehr moeglich und die meisten Faelle dieses Phaenomens sind als Aeusserungen geistiger Krankheiten und Psychosen verschiedener Art zu betrachten. Ausnahmen sind die ungluecklichen Beispiele, die von einigen Medien gegeben werden, die sich dem Spiritismus, vor allem den bewerkstelligten Gepflogenheiten der Kommunikation mittels Trance, gewidmet haben. (Jedenfalls sind seit dem Jahre 1912 auch die Phaenomene, die in den ‚spiritistischen Sitzungen’ auftreten, nicht mehr den Besessenheiten von Seiten der dem Medium aussenstehenden Geistern, die von seinem Organismus Besitz ergriffen haetten, zuzuschreiben. Die Phaenomene sind Manifestierungen gewesen, die entweder vom Geist des Mediums selbst oder durch das Eingreifen von geistigen Resten der ‚Vertreter der Finsternis’ realisiert worden sind, denn die Vertreter des Lichtes gebrauchen nicht und haben nie ein Medium in Trance gebraucht.) (Um eine erschoepfende Erklaerung bittet man die Leser, „Dem Licht Entgegen" zu konsultieren.)

An diesem Punkt ist es gerechtfertigt sich zu fragen, was wir ueber die Gegebenheiten, die sich auf spiritueller Ebene unserer erdenen Existenz abspielten, wissen koennen. Diejenigen, die nicht an Gott glauben, werden den vorliegenden Text wahrscheinlich gar nicht lesen – aber diejenigen, die im Herzen wissen dass Gott existiert, beginnen vielleicht zu hoffen, endlich mehr ueber die sogenannten ‚uebernatuerlichen’ Realitaeten erfahren zu koennen. Heute haben wir die Moeglichkeit, vielen Sachen auf den Grund zu gehen und sie zu klaeren. Wenn wir die immensen negativen Kraefte, die das Boese in unsere Welt und in den Menschen selbst eingefloesst hat, in Betracht ziehen, werden wir uns darueber klar, dass es bis jetzt zu leicht war, die Menschheit zu verwirren.
   Dies gilt fuer die gesamte Menschheit , fuer alle Klassen, alle Voelker und alle Religionen. Vor allem im wichtigen religioesen Bereich sind viele falsche und verzerrte Ideen eingefloesst worden, um die Menschen von Gott zu entfernen. Nicht immer haben sie fruchtbaren Boden gefunden, aber mehrere Male sind die Liebessamen Gottes und Seiner Helfer von den Kraeften des Boesen mitgerissen worden, um ‚kopfueber’ zu fallen und als Folge daraus sind sie krumm gewachsen, unter schlechtesten Bedingungen. Eine Weise, um klar zu sehen, gibt es jedenfalls, und die sehen wir wie ein rotes Band das Leben derer Vieler ueberqueren, die von der katholischen Kirche heilig gesprochen worden sind. Nicht zufaellig haben viele der groessten Persoenlichkeiten – Jesus, Hl. Franz, Hl. Therese, Hl. Katharina, um nur wenige Beispiele zu nennen – Kontakt ausserhalb des Normalen gehabt.

Aber wir fragen uns noch immer: wie koennen wir die uebernatuerlichen Phaenomene studieren und definieren, wenn wir sie nicht in einem Laboratorium beobachten koennen?
   Der menschliche Fehler besteht darin, auf alle Kosten materielle Beweise von Phaenomenen zu wollen, die nicht materieller Natur sind! Das ist in etwa so, als ob man den elektrischen Strom bitten wuerde, sich zu zeigen – wir koennen den Effekt des Prozesses der elektromagnetischen Polarisierung sehen, den der elektrische Strom erzeugt - wenn wir z. B. eine Lampe aufdrehen – aber den Strom selbst koennen wir nicht sehen. Wie koennen wir also verlangen, mit unseren physischen Sinnen die Fluesse und die eigentlichen energetischen Stroeme der Manifestierungen von Schwingungen, die noch schneller sind, als viel kleinere Partikel der kleinsten Partikel dessen Existenz wir heute erraten koennen, zu sehen oder wahrzunehmen? Wir koennen nur die Auswirkungen davon studieren, und oft ist auch das schwierig, denn indem man nicht in der Lage ist eine Wiederholung der Phaenomene anzuordnen, ist es schwierig die exakte Herkunft zu stabilieren. Auch ist es schwierig, zwischen dem was eine bestimmte ‚hellsehende’ Person sieht oder fuehlt und dem einer anderen, zu unterscheiden. Wir koennen das Beispiel des beruehmten Mediums Rosemary Altea angeben, das behauptet, die Geister der lieben Verstorbenen um die Personen herum zu sehen, die sich ihr gegenueber befinden. Ein anderes Medium, vielleicht ‚faehigeres’, als die Frau Altea, koennte mit aller Wahrscheinlichkeit beobachten, dass die von Altea gesehenen Geister nichts anderes als die von den das Medium konsultierenden Personen selbst kreierten Imaginationen sind: der menschliche Gedanke ist tatsaechlich kreativ und oft kreieren wir wirklich echte ‚Hektoplasmen’ von Gedanken um uns herum. Es muessen nicht unbedingt Einbildungen von toten Personen sein – es koennen auch imaginaere Personen sein (wenn wir z. B. ueber die Handlung eines Romans fantasieren, den wir schreiben moechten), Landschaften, Gegenstaende, Bilder, Tiere – praktisch alles, was unsere Einbildung faehig ist, zu kreieren, kann im Gedanken Objekt solcher ‚Materialisierungen des Gedankens’ sein. Und deshalb passierte es einmal – und es geschieht auch heute noch -, dass einige Personen ‚Elfen’ und ‚Gnome’ in der Natur sehen konnten. Wenn Rosemary Altea so ueberzeugend ist, wenn sie sich ueber die verstorbenen Personen ausdrueckt, ist es einfacherweise nur deshalb, weil sie das ‚Videoband’, welches die wegen dem Fehlen der Verstorbenen leidende Person geistig erzeugt, sieht – und fuehlt. Sie sieht also etwas wirklich existierendes. Wahrscheinlich ist die Frau Althea in guter Absicht und in ihrem Anbieten eines Kontaktes liegt etwas positives. Der Trost auf den Schmerz der lebenden Personen wird, wie auch immer, moeglich. Die toten Verwandten oder Freunde haben woanders viel anderes zu tun – gewiss koennen sie nicht fuer immer um uns herum bleiben.

Um auf Pater Pio zurueckzukehren koennen wir feststellen, dass wir nur am Beginn eines Verstaendnisses seiner vielen Phaenomene und Talente sind – mit den besten Aussichten, endlich mit mehr Sicherheit in bis jetzt unbekannte Gebiete einzudringen.
   Die Kaempfe und die Visionen des Boesen stehen engstens im Zusammenhang mit dem Phaenomen der Wundmale, dessen Herkunft anscheinend nur Pater Pio selbsts bekannt war (siehe Artikel Pater Pio – die Wundmale). Wir erinnern uns an seine spontane Reaktion, als ihm einmal einer seiner geistlichen Soehne die Glueckwuensche fuer den ‚Wiederholungstag der Stigmatisierung’ ausdrueckte. Pater Pio brach in Traenen aus und rief dabei „Aber was glaubst du denn, dass es Medaillen seien?" (Man kann diese beschriebene Episode im oben erwaehnten Buch von Renzo Allegri auf S.68 finden.)
   Diese kleine Begebenheit mit vielen anderen zusammen gibt uns deutlich zu erkennen, dass Pater Pio wusste, dass die Wundmale keine ‚goettliche Gabe’ waren. Sie liessen ihn leiden, sie setzten ihn Verdaechtigungen und Anklagen auf Fanatismus und Faelschung aus. Sie schwaechten ihn physisch und geistig – was sollte er von diesem ihm verhaengten Leiden denken, wenn nicht etwas Schreckliches, das er gemacht haette und weshalb Gott selbst wuenschte, ihn zu bestrafen? Auffassungen, die so im Gegensatz zu den suessen Erscheinungen Jesus’ standen, der ihm von Liebe sprach, der ihn bat, zu lieben – Verwirrung fuegt sich Verwirrung hinzu, wenn man nicht die Anwesenheit des Boesen erahnt.
   Von welcher Liebe sprach Jesus? Jesus versuchte wahrscheinlich, die Aufmerksamkeit Pater Pios auf das Versprechen zu lenken, das er ihm vor der Geburt auf die Erde gegeben hatte. Ein Versprechen, welches Pater Pio nicht als Erster gemacht hat – Jesus selbst hatte schon das gleiche Versprechen gegeben, allerdings ohne dass es ihm gelungen waere, dies in seinem Leben auf Erden einzuhalten. Laut dem Buch ‚Dem Licht Entgegen’ handelt es sich im Falle von Jesus von Nazareth um das Versprechen der Verzeihung – aber wem verzeihen?Dem, den der Grossteil der Menschheit als unverzeihbar haelt: Satan selbst. Ausser einem Akt der Verzeihung – an und fuer sich schon ein Zeichen grosser geistiger Staerke – vertritt dieser Schritt den groessten Liebesakt, den ein menschliches Wesen vollbringen kann. Dieser besondere Akt des Glaubens an die absolute Oberherrschaft Gottes hat als Auswirkung eine Zerstreuung der dichten Nebel der Verwirrung, der Finsternis und des Leidens, die den Menschen auf Erden in mehr oder weniger ausgepraegtem Grade umgeben (um naehere Einzelheiten siehe immer ‚Dem Licht Entgegen) – und verleiht somit die geistige und spirituale Klarheit, die ihn folglich fuer immer im Leben begleiten wird und ihm somit dabei hilft, die vorher seinem Verstaendnis verneinte Klarheit zu verstehen, Zusammenhaenge und Verwicklungen zu verstehen, die er vorher nicht sehen konnte, da diese Schwelle, diese ‚Liebesprobe’ noch nicht ueberwunden war.
   Darum, wenn Gott Pater Pio gebeten haette, den gefallenen Sohn – Satan – zu verzeihen, bevor er ihn zur Erde schickte und fuer ihn zu beten, denn so haette er nicht nur sich selbst, sondern auch der gesamten Menschheit geholfen – dies erklaert die wiederholten Bitten Jesus’ fuer ‚Liebe’ an Pater Pio. Wo das Wort Liebe der Schluessel fuer alles wird, der Schluessel fuer den Zugang zu jeder weiteren Entwicklung in die Richtung, die Pater Pio waehlen haette koennen.
   Die Frage der Verzeihung Satans, dem Teufel, ist der Kirche nicht fremd. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene religioese Studiengruppen damit beschaeftigt. Noch heute hoeren wir von Exorzistenpfarrern sprechen, die soviel zu tun haben, dass die Arbeit droht sie zu ueberrennen.Wir sind regelmaessig Zeugen der Ermahnungen der Religioesen, die uns darauf hinweisen, dass der groesste Betrug Satans der ist, uns glauben zu lassen, dass er nicht existierte. So haben wahrscheinlich viele glaeubige Personen Angst, Satan zu verzeihen. Aber wenn sie wissen, dass die Verzeihung der erhabene Akt des Menschen ist, dass die Verzeihung der Schluessel zur eigentlichen Rettung ist – warum also sollten wir Satan nicht verzeihen? Sagt vielleicht nicht auch Jesus, dass man den eigentlichen Feinden verzeihen soll? Welcher Feind ist groesser als der Teufel selbst? Zu beachten, dass Jesus nicht sagte „Verzeihe deinen Feinden ausser Satan". Man soll auch versuchen zu verstehen, weshalb wir Satan verzeihen sollen. Denn nur wenn wir alle seine Hauptuebeltaten kennen, koennen wir uns wirklich des Verzeihungsaktes bewusst sein, den wir auszufuehren – oder nicht – waehlen. Diese Wahl muss in jedem Fall aus dem Tiefsten unseres Herzens kommen, wie jeder echte Schritt unserer geistigen Entwicklung.
   Satan zu verzeihen, wuerde uns nicht zu Satanisten machen? koennte jemand fragen. Nein, absolut nicht! Im Gegenteil waeren wir Gott viel naeher, denn in einem solchen Fall koennen wir beginnen, die Vollkommenheit Seiner Barmherzigkeit zu verstehen.Denn wenn Gott selbst nicht auch dem gefallenen Sohn verziehen haette, haette Er ihn logischerweise sofort von der Existenz geloescht – und wie wir beobachten koennen, ist dies nicht geschehen. Die Allmacht Gottes drueckt sich vor allem in Seinem Respekt fuer die Gabe aus, die Er jedem von uns gegeben hat - Satan eingeschlossen: der freie Wille.
   Es steht fuer sich, dass man das zu unserer Verfuegung stehende Material gruendlich studieren muss, um ernsthaft die radikale Entscheidung der Verzeihung des groessten Feindes der Menschheit zu sichten.
   Die allgemeine Meinung ueber die Angriffe der Maechte des Boesen ist die, dass „er (Pater Pio) mit seiner Mission Millionen von Seelen gerettet haette, Bewegungen von ausserordentlichem spiritualem Wert, faehig die Welt zu veraendern, zum Leben erweckt haette. Und Satan war entschieden alles zu versuchen, um zu verhindern, dass dies geschehen koennte. Er haette toedliche Duelle inszeniert. Wenn es ihm von Gott erlaubt gewesen waere, haette er jenen Mann getoetet." (Renzo Allegri: Auf du und du mit Pater Pio, S. 69.)
   Aber all dies allein genuegt nicht. Im Fall von Pater Pio gab es mehr... Er haette noch groessere ‚Wunder’ vollbringen koennen, wenn es ihm gelungen waere, sich an das dem Vater gemachte Versprechen zu erinnern. Viele Maenner und Frauen haben Bewegungen von ausserordentlichem geistigen Wert zum Leben erweckt, ohne deshalb direkt und so eklatant von den Kraeften des Boesen angegriffen worden zu sein, wie es der Fall von Pater Pio war. Er war ‚jemand Besonderer’, eine ‚direkte Leitung’ zum Uebernatuerlichen. Deshalb musste man ihn absolut verwirren – wenn es ihm erlaubt gewesen waere, sich auf seine wirkliche Mission zu konzentrieren, waeren die Tage der Ueberkraefte der Maechte des Boesen bald zu Ende gewesen. Indem man Kontakt mit dem Uebernatuerlichen genommen haette,
indem man Beweise gehabt haette, haette sich die Menschheit immens Gott genaehert. Und das war ‚Blaubart und seinen Gefaehrten’ nicht recht.

11. November 2000


Copyright© 1999 Altre Menti Edizioni
Übersetzung: Susanne Nessl