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Das Loslösen
des Geistes vom Körper
Man
kennt viele Fälle von Loslösungen des Geistes vom Körper in der
Geschichte der Menschheit. Jedoch ist das Phänomen noch nie auf
befriedigende Weise erläutert worden, da es unerklärlich ist, wenn wir
nicht andere als die in der traditionellen, wissenschaftlichen Forschung
gewöhnlich angewandten Regeln benützen.
Vor allem müssen wir in Betracht ziehen, daß das menschliche Wesen
nicht nur aus seinem physischen, in der irdischen Welt sichtbaren Körper
besteht. Es wäre tatsächlich unmöglich, so viele außergewönliche Phänomene
zu beschreiben, wenn wir uns nicht jenseits unserer fünf irdischen
Sinne begeben würden.
Heutzutage sind die bekanntesten und den Italienern am nächsten
liegenden Fälle ohne Zweifel jene von Padre Pio. Die Geschichte eines
Offizieres der Armee, der plötzlich Pater Pius vor sich in seinem
Zimmer sieht, wo er gerade seine eigene Aufhängung vorbereitet, ist
nunmehr legendenhaft. Der unglückliche Offizier wird von seinem
verzweifelten Vorhaben vom Kapuzinermönch abgebracht. Er kennt Pater
Pius nicht. Nie zuvor in seinem Leben hat er ihn gesehen. Der Mann
versteht, daß es sich um eine ungewöhnliche Erfahrung handelt. Niemand
hätte ins Zimmer eintreten können, da die Tür abgeschlossen war –
trotzdem sieht er vor sich einen Mönch, der ihm zu verstehen gibt, daß
er nicht in seiner Absicht fortfahren darf. Der Offizier ist sich klar
darüber, daß es sich um eine Vision handelt, und nimmt die
Erscheinung als eine göttliche Botschaft auf.
Als sich später der Soldat, nachdem er ihn auf einem Foto in einer
Zeitschrift erkannt hatte, nach San Giovanni Rotondo begibt, um Pater
Pius persönlich kennenzulernen und ihm zu danken, erkennt ihn der Mönch
sofort und begrüßt ihn mit den Worten: „Da hat nur wenig gefehlt
jene Nacht, gelt!?“
Unnütz zu sagen, daß dieser Mensch zutiefst von seiner Erfahrung
betroffen bleibt, und er hat sich sicher gefragt: „War das ein
Wunder?“
Das Wunder kann auf verschiedene Weise definiert werden – in diesem
Zusammenhang scheint es uns geeigneter zu sagen, daß ein Wunder eine
ungewöhnliche Begebenheit ist, die sich nicht erklären läßt, indem
wir uns auf unsere gewöhnlichen, menschlichen Vernunftsschlüsse und
Rechnungen basieren. Zur Kategorie können plötzliche Heilungen,
misteriöse, aber positive Ereignisse, Visonen usw. gehören. Jedoch ist
es immer möglich, eine Erklärung zu finden. Auch wenn es sich um
Begebenheiten handelt, die wir Wunder nennen.
Somit
können wir auch besser das Phänomen des Loslösens (der Doppelung)
verstehen.
Wenn
wir uns auf das Buch „Dem Licht
entgegen“beziehen, können wir eine vollständigere Erklärung
wagen, als die uns bisher angebotene.
„Dem Licht entgegen“ zufolge, besteht das menschliche Wesen aus gut
drei Körpern: der physische Körper, der astrale Körper und der
geistige Körper (siehe auch im Artikel über
Das menschliche Gehirn). Von diesen drei
ist nur der letztere, der Geist, fähig, sich vom physischen Körper
loszulösen und eine „Reise“ außerhalb des Körpers zu unternehmen.
Diese Fähigkeit ist jedenfalls nur den fortgeschritteren Geistern
reserviert –außer wenn Gott nicht irgendeinen besonderen Grund hat,
weshalb auch der menschliche Geist während des Schlafs momentan aus dem
physischen Körper „enthoben“ wird und woandershin gebracht wird. Im
bereits erwähnten Buch kann man sich über genauere Einzelheiten darüber
informieren.
Der astrale Körper des Menschen wird auch als die astrale Kopie
bezeichnet, da sie der physischen Person sehr ähnelt. Er umhüllt das
menschliche Wesen gänzlich wie eine Art Mantel, welcher sich nach den Körperlinien
formt. Der astrale Körper kann sich nicht von seinem physischen Körper
trennen, bevor nicht der Tod eingetreten ist. Wenn dies erfolgt, befreit
sich der astrale Körper und dann kann er manchmal von besonders
sensiblen Menschen beobachtet werden. In diesen Fällen kann man ihn
leicht mit einem Gespenst oder mit dem Geist der soeben gestorbenen
Person verwechseln.
Hingegen ist das einzige vitale Element des Menschen, unser einziger
unsterblicher Teil, der Geist. Und gerade der Geist ist es, der
manchesmal dieses Heraustreten aus dem Körper vollbringen kann, auch
wenn dies nur geschehen kann, wenn die Person geistig besonders
fortgeschritten ist – wie es eben der Fall von Pater Pius war. So
bemerkte er oft einen starken Ruf – vielleicht von Seiten des
Schutzgeistes eines leidenden Menschen – dem er dann mit dem Geist
folgte. Das konnte während des Schlafs geschehen. Aber nicht nur. Auch
tagsüber – es gibt einen dokumentierten Fall von dem man weiß, daß
Pater Pius gerade einen Gottesdienst feierte, während ihn eine Frau zur
gleichen präzisen Stunde vor sich sah.
Wie ist dies möglich?
Indem wir nun diese drei Körper des menschlichen Wesens in Erwägung
ziehen, können wir eine Erklärung geben. Der physische Körper von
Padre Pio, der während seines Lebens von Natur aus unlösbar an den
astralen Körper gebunden ist, fuhr fort, seine Arbeit im physischen Ort
von San Giovanni Rotondo auszuüben. Nun wissen wir, daß das
Zelebrieren einer Messe keine Angelegenheit ist, deren man sich
unbedingt geistig hundertprozentig widmen muß. Der religiöse Kult ist
sicher tief in den ihn praktizierenden Menschen eingeprägt: er hat ihn
auswendig gelernt. Also ist die aufmerksame Gegenwart des Geistes in der
Ausübung dieses Ritus, die für den Religiösen reine Gewohnheit
geworden ist, nicht unbedingt notwendig –
so etwa wie das Autofahren, einen Text am Computer schreiben, bügeln
oder andere alltägliche Gesten, die wir unzählige Male ausgeführt
haben, während unser Gedanke ganz woanders umherschweift. So konnte
sich der Geist von Pater Pius in diesem Moment der „mechanischen
Aktivität“ des physischen Körpers und der zugehörigen astralen
Kopie auf einfache Weise befreien und einem Hilferuf von Seiten einer
auch sehr vielen Kilometern weit entfernten Person folgen. Tatsachlich
ist die Distanz für den Geist von keiner Wichtigkeit, da er nicht der
physischen Dimension angehört, sondern der vierten Dimension.
Heute fragt man sich auch: und wenn man wirklich eine menschliche Klone
herstellt? Wäre dann auch der Geist geklont? Hier müssen wir
entschieden mit einem Nein antworten: dies ist nicht möglich!
Jedoch würde wahrscheinlich gerade die Schaffung von zwei oder von mehr
menschlichen Individuen aus den gleichen Stammzellen die Forscher
umdenken lassen, auch wenn es wünschenswert wäre, daß sie nie soweit
kommen werden, diese identischen Menschen zu produzieren. Diese von den
selben Zellen „kreierten“ Personen wären tatsachlich sehr
unterschiedlich – gerade deswegen, weil der Geist nicht der Gleiche für
alle gewesen wäre. Und da es der Geist ist, der den physischen Körper
formt, würde er sehr bald dem Körper seine Charakteristiken abdrücken
– sowie diese geklonten Personen auch voneinander absolut unabhängige
Gedanken hätten, ebenso wie diverse Lebenswege.
Aber hoffen wir, daß das Klonen eines Menschen nie eine Realität wird.
Es ist ethisch nicht korrekt, auf diese Weise zu experimentieren, auch
wenn man solche Experimente nicht wirklich als eine Imitierung der Schöpfung
Gottes ansehen kann, wie einige denken – es wäre wirklich Einbildung,
zu glauben etwas imitieren zu können, was wirklich von Gott
geschaffen worden ist: der menschliche Geist.
8. Jänner 2002
© Altre Menti Edizioni
Übersetzung: Susanne Nessl
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